Größer konnte der Kontrast wohl nicht sein: Direkt vorher noch die Spaß-Piraten von Alestorm auf der North Stage und dann im Anschluss feinsten Progressive Metal mit den Urgesteinen von Dream Theater direkt nebenan auf der South Stage. 40 Jahre Bandgeschichte zusammengezwängt in ein 75 Minuten Set. Das waren die Rahmenbedingungen für diesen Auftritt.
Nach den recht seichten Klängen von Charlotte Wessels im Metal Dome ging es dann wieder zurück in die Sonne vor die South Stage um dort den deutlich härteren Klängen der amerikanischen Band Motionless In White zu lauschen. Für sie war es nicht der erste Auftritt auf dem Graspop, aber immerhin die Premiere auf der Main-Stage.
Auf Charlotte Wessels war ich sehr gespannt. Nach ihrer Trennung von Delain hatte ich sie etwas aus den Augen verloren, aber im Metal Dome vor doch recht lichten Reihen trat sie zusammen mit ihren Livemusikern an um ihr aktuelles Werk „The Obsession“ vorzustellen.
Nach schwülstigem Power Metal auf der North Stage rasch wieder rüber zur South Stage wo sich die Jungs von Landmvrks auf der Bühne fertig machten. Die Band aus dem französischen Marseille brachten eine wirklich hervorragende Mischung abwechslungsreicher Metal-Core Bretter mit, die hauptsächlich aus den letzten zwei Alben „Lost In The Waves“ aus dem Jahre 2021 sowie „The Darkest Places I’ve Ever Been“ welches dieses Jahr veröffentlicht wurde.
Die Band Warkings war mir bislang nur aus einigen Musikvideos bekannt, an diesem Tag sollte ich sie dann auch live erleben dürfen. Die Musiker aus Österreich, die immer anonym unter Maskierung in Form verschiedener Warkings verschiedener Epochen auftreten hatten gefälligen Power-Metal im Gepäck.
Donnerstag Mittag bei bestem Wetter ging es wieder los: Das Graspop 2025 öffnete seine Pforten und ich war gleich zur ersten Band auf der South Stage. Mit Municipal Waste aus Richmond ging es direkt zur Sache. Kein langsames aufwärmen, kein langsames steigern, nein, direkt auf die 12 und das von Beginn an.
Es ist 20:45 und das M’era Luna 2024 nähert sich langsam dem Ende entgegen, aber nicht bevor Dauergast VNV Nation gespielt hat. Das war neben Schwarzer Engel und ASP die Band, die ich unbedingt sehen wollte. Seit mittlerweile 34 Jahren existiert das Projekt von Ronan Harris mittlerweile und hat 11 Alben hervorgebracht. Begleitet wurde er an diesem Abend von drei Musikern: einem Schlagzeuger und zwei Keyboardern.
Ich war etwas überrascht. Nach Lord Of The Lost leerte sich die Fläche vor der Bühne zunächst, aber selbst als die ersten Klänge von Epicas Intro „Alpha Anteludium“ zu hören waren, war es immer noch sehr überschaubar, was sich da versammelt hatte, um einer der größten Bands im Symphonic Metal Bereich zuzuschauen. Wer die Niederländer schon einmal live gesehen hat, weiß, dass dort Showtechnisch immer viel geboten wird. Dieses Mal wurde die Bühne dominiert von großen Rädern an den Seiten, die sich immer wieder drehten, sowie zwei riesigen Schlangen die zwischendurch auch Nebel oder sogar Feuer spien. Apropos Feuer: Davon gibt es bei Epica immer mehr als reichlich, so auch heute, obwohl die Temperaturen gar nicht danach verlangten.
Lord Of The Lost hat meinen Weg bislang nur einmal gekreuzt: 2015 auf dem Gelsenkirchener Blackfield Festival. Damals noch mit sehr bescheidenen Mitteln am Nachmittag aufgetreten ist das heute eher ein Kontrastprogramm zu damals. Die Band ist viel bekannter, auch durch ihren Auftritt beim European Song Contest vor einem Jahr. Aber zurück nach Hildesheim aufs M’era Luna.
Zurück auf der Main Stage wo nicht nur ich, sondern auch viele andere den Auftritt von Schandmaul erwarteten. Und hier zeigte sich: Sänger Thomas Lindner stand wieder auf der Bühne. Zusätzlich war da aber auch noch Georgij Alexandrowitsch Makazaria, der ehemalige Sänger der Band Russkaja. Und warum dieser mit dabei war, zeigte sich nach dem ersten Lied „Krieger“. Dann richtet Lindner nämlich ein paar Worte an das Publikum, in dem er von seiner Krebserkrankung berichtete, die momentan zumindest, überwunden ist. Ein leidiger Seiteneffekt der Behandlung aber war, und das war unüberhörbar, dass seine Stimme immer noch nicht wieder die alte Stärke erreicht hatte, weshalb er das Singen aktuell von Makazaria übernehmen lässt. An Keyboard und Gitarre mischte er aber schon wieder so gut mir, als wäre nie etwas gewesen.
